Einleitung

Im folgenden beantwortet dir Bernhard Weßling diese Fragen. Er ist Autor des Buches „Der Ruf der Kraniche“ und langjähriger Kranichforscher auf diesem Gebiet. Weitere Details zu Bernhard Weßling und sein Buch weiter unten, zuerst die spannenden Antworten auf die Fragen wie Kraniche kommunizieren und wie Kraniche rufen. Link zu meinem Vogelfotografie Fotokurs.


Kommunikation

Kraniche sind viel intelligenter, als man so denkt, sie haben und zeigen Emotionen. Ich meine, nachweisen zu können, dass sie über einen gewissen Grad an Bewusstsein ihrer selbst verfügen.


Rufe

Ich habe für das unglaublich komplexe Schreikranichrettungsprojekt 6 verschiedene Rufe an wilden Schreikranichen aufgenommen und im Projekt angewendet (Duett, Warnruf, Flugruf „alles ok, weiterfliegen“, Flugruf „Achtung Gefahr“ und den sehr leisen Kontaktlaut). Ich bin überzeugt, dass es eine viel differenziertere Kommunikation bei Kranichen geben muss. Im Buch erläutere ich, warum diese Annahme vernünftig ist. 

Bei Grauen Kranichen habe ich zusätzlich noch den Flugabstimmungsruf (wenn das Kranichpaar sich abstimmt, daß sie nun losfliegen wollen, dann fliegen sie auch gemeinsam ab) aufnehmen können, außerdem einen speziellen Ruf, der vor Adlern warnt; und bei der Kopulation werden wiederum andersartige Laute ausgestoßen. 

Aus Aufnahmen bei wilden Mandschurenkranichen auf Hokkaido schließe ich, dass es etliche weitere Rufarten gibt: neben einem Adlerwarnruf habe ich einen sehr variablen Ruf (eigentlich fast eine Melodie) aufnehmen können, die die anderen Kraniche der Gruppe, die ich beobachtete, dazu animierte, in eine bestimmte Richtung zu gehen und sich ein interessantes, aber weiter ungefährliches Tier (einen Marderhund) anzuschauen. Außerdem konnte ich einen Ruf aufnehmen, den ich mit „Was ist denn das, wo sind die anderen Kraniche?“ interpretiere.

Bei vergleichenden Untersuchungen an Mandschurenkranichen aus Hokkaido (Japan) und Nordostchina habe ich feststellen können, dass diese Populationen sich nicht mehr verstehen würden, wenn sie sich treffen würden – also, sie haben so etwas wie verschiedene Sprachen.


Weitere Erforschungskenntnisse

Die wichtigsten Überraschungen waren, dass Kraniche keineswegs ihrem Partner lebenslang treu sind. Mehr als 50% aller Kraniche haben mindestens einen weiteren Partner in ihrem Leben, und das nicht nur, wenn der vorherige Partner verstorben ist. Das weiß ich, weil ich in etlichen Fällen auch den „verlassenen“ Partner wiederfinden konnte, in einem Fall haben zwei Nachbarpaare des Vorjahrs im darauf folgenden Jahr sich über Kreuz umverpaart. Ebensowenig sind Kraniche lebenslang reviertreu, bis auf wenige Ausnahmen haben alle Paare, die ich kenne, mindestens einmal das Revier gewechselt. Da ich auch andere Arten und besonders den extrem bedrohten Schreikranich in den USA erforscht habe, ist eindeutig, dass dies nicht nur unseren Grauen Kranich betrifft.


Spannende Kranicherlebnisse

Ich habe sehr viele spannende und berührende Erlebnisse mit Kranichen gehabt. Von denen berichte ich in meinem Buch. Z. B. gelang es mir einmal, ein Kranichpaar unmittelbar nach der Landung nach dem Rückflug aus dem Winterquartier zu beobachten – unvergesslich, was ich da an Lebensfreude erleben durfte. Oder als ich in dem riesigen Gebiet in Texas war, in dem die Schreikraniche überwintern: ich lief nachts in absoluter Dunkelheit durch die Wildnis, da passiert so allerlei. 

Außerdem wollte ich die ganz leisen Kontaktlaute der Kraniche aufnehmen, dazu musste ich nah an sie heran. Dort, wo ich mich entschied, es zu tun, baute ich mir eine Tarnung, hatte aber zunächst vergessen, mein Mikrofon 5 m davon entfernt ans Wasserloch zu stellen. Als ich das machen wollte, entdeckte ich dort einen 3 m langen Alligator, der mich erfreulicherweise noch nicht entdeckt hatte. An dem Tag habe ich meinen Versuch dort abgebrochen. Nach etlichen weiteren Versuchen gelang es mir – ich habe Tränen des Glücks vergossen, als ich in meinen Kopfhörern die Trink-Geräusche der Kraniche, dann ihre Kontaktlaute und schließlich den Flugabstimmungslaut und die Flügelschläge hören konnte … Das war einfach nur Wahnsinn.


Bernhard Weßling stellt sich vor

Ich habe meine Forschung nebenberuflich betrieben, hauptberuflich bin ich Chemiker und Unternehmer, als Unternehmer habe ich hauptsächlich die Ergebnisse meiner chemischen Forschung in den Markt gebracht. Ich habe eine ganz neue Stoffklasse entdeckt und auf ihrer Basis neuartige Produkte und Prozesse entwickelt. Das brachte mich auch dazu, sehr tief gehende Grundlagenforschung zu betreiben. D.h., ich bin Forscher mit Leib und Seele, eigentlich also „Naturforscher“. Deshalb ist die Kranichforschung, die ich betrieben habe, nicht so weit weg von meinem Hauptberuf, wie man vielleicht denken könnte.

Hier habe ich, ausgehend von meiner Tätigkeit im Naturschutz und als Leiter des hiesigen Kranichschutzprogramms, sehr viele mich überraschende Beobachtungen gemacht, die mit dem „Lehrbuchwissen“ nicht in Übereinstimmung standen. Deshalb wollte ich tiefer gehen und wissen, wen genau ich da beobachte, wenn ich Kraniche beobachtete. Ich wollte also wissen: „wer ist wer?“

Wie mache ich das, ohne (erwachsene!) Kraniche zu beringen? Ich kam auf die Idee, ihre Rufe, ihre Stimme zu analysieren, und entwickelte eine neue Methode der Frequenzanalyse. Hiermit konnte ich Kranichindividuen und Paare auseinanderhalten und jahrelang wiedererkennen. (in Hamburg betrieb ich es kontinuierlich über 10 Jahre hinweg)


Das Buch „Der Ruf der Kraniche“

Das Buch ist überall in allen Buchhandlungen erhältlich (mindestens ist es dort bestellbar) und auch in allen online-Buchshops. Hier www.bernhard-wessling.com/page-4 kann man viele Informationen darüber finden. Bei mir direkt bernhard@bernhard-wessling.com kann man ein signiertes Buch bestellen, das aber 5 € mehr kostet wegen der Versandkosten (ich handele das Buch eigentlich nicht direkt, sondern nur bei Nachfrage nach signierten Exemplaren).

Ich erzähle in sehr lockerer Form, wie ich überhaupt zu dieser Forschung kam (das passierte alles sehr ungeplant und zufällig), wie ich dann in die großen internationalen Forschungsprojekte hineinstolperte und was mir in den vielen Jahren so „alles“ passierte (natürlich kann ich in einem Buch nicht wirklich alles erzählen, aber ein paar Highlights sind es schon). Dann beschreibe ich die Forschungsergebnisse und stelle sie auch in einen größeren Rahmen, aber alles in lockerer, erzählerischer Form, nicht in Form eines trockenen Fachbuchs.


Copyright Bild

Bernhard Weßling / 3 Monate alter Jungkranich nur etwa 12 m entfernt


Quellen

Bernhard Weßling / Autor des Buches „Der Ruf der Kraniche“


Buchcover


Autorinfo

Trotz sorgfältiger Recherche und Korrekturlesen können Fehler im Text auftreten. Falls Sie einen Fehler finden gerne Email an mich. Ich freue mich darüber, denn ich bin daran interessiert qualitativ hochwertige Artikel zu schreiben.

Dieser Artikel ist unbezahlte Werbung für das Buch „Der Ruf der Kraniche“ von Bernhard Weßling.