Einleitung – ein Gamsbock sucht im Schneesturm Schutz und blickt verwundert in die Kamera. Ein außergewöhnliches Bild. Die Details verrät Marco Schütte im Interview. Viel Freude beim Lesen!

1. Kurzbeschreibung wer du bist?

Eigentlich bin ich studierter Kaufmann, fotografiere aber seit meinem 10. Lebensjahr. Als gelernte Berufsfotografin hat meine Schwester mir damals einen Teil ihrer ungenutzten Ausrüstung überlassen. Damit legte sie den Grundstein meiner Leidenschaft. Mein Vater war Jäger, den ich gerne auf den Hochsitz begleitete. Er entfachte meine Begeisterung für die Natur und den wildlebenden Tieren. Beides vereinte sich dann zu einem neuen Hobby.


2. Welches Tier foto-/videografierst du am Liebsten und war dein Tiermoment des Lebens?

Meine Leidenschaft gilt unter anderem dem Gamswild und dessen Lebensräumen. Im Rahmen eines Fotoworkshops zur Gamsbrunft mit Christoph Ruisz ging es in den Nationalpark Berchtesgaden. Nach dem Hütten-Frühstück zog ein starker Schneesturm auf und Christoph überließ die Entscheidung uns Teilnehmern, unter diesen Umständen auf Fotopirsch zu gehen. Ich war sofort Feuer und Flamme, da mich die besonderen Stimmungen bei schlechtem Wetter fotografisch schon immer gereizt haben. Außerdem wollte ich die harten und teils unwirklichen Lebensbedingungen der Gamsböcke im Winter mit der Kamera festhalten. So zogen wir los, schafften aber nur wenige 100 Meter, denn der Schnee zerrte wirklich hart an uns und der Ausrüstung. Als wir schon entschieden umzukehren entdeckte ich in einem der wenigen etwas ruhigeren Momenten ein Gamsbock unter einem schützenden Felsdach, der dem Sturm trotze und sich einschneien ließ. Schnell war die Kamera zur Hand, doch der Sturm machte eine ruhige Kameraführung unmöglich. Rasch kam Christoph mir zur Hilfe und diente mir als menschliches Stativ. Ich drückte etwa 250x den Auslöser, doch nur ein Bruchteil der Bilder stellte sich später als scharf heraus. Zum Glück war dieses dabei. Und dass, obwohl die Linse bis auf ein winziges Loch komplett mit Schnee zugeweht war…


3. Mit welcher Fotoausrüstung (Kamera und Objektiv) und Bildeinstellung (Belichtungszeit, Blende, ISO, KB Brennweite) entstand dein Bild/Video?

Canon EOS 5D Mk IV mit Canon EF 500mm f/4L IS II USM + 1.4x III Konverter. 1/1600 Sek. Bei f/7,1 (ungewollt, da Einstellungen aus Versehen mit dicken Handschuhen verstellt, normalerweise fotografiere ich mit f/4), ISO 1000.


4. In welcher Position warst du beim Fotografieren – sitzend, liegend, stehend,…?

Stehend und wankend.


5. Zu welcher Uhrzeit und Datum entstand dein Bild?

Am 7. November 2017 um 10:37 Uhr.


6. Wo entstand dein Bild?

Im Nationalpark Berchtesgaden


7. Welches Tier und welche Tätigkeit des Tieres ist zu sehen?

Ein Gamsbock, Schutz suchend.


8. Woher wusstest du das dieses Tier sich an diesem Ort aufhält?

Im Nationalpark gibt es an mehreren Standorten größere Gamsrudel.


9. Was fasziniert dich besonders am Tier?

Ich bin ein großer Fan der Berge. Das Gamswild ist die Charaktertierart der Alpen schlechthin und somit lag es auf der Hand, dass ich irgendwann anfangen würde, Gämse zu fotografieren. Leider ist das Gamswild in Bayern akut durch eine sehr restriktive Forstpolitik mit teils ungewöhnlichen waldbaulichen Zielen bedroht und wurde auf die Vorwarnliste der Roten Liste Deutschland gesetzt. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass hier zeitnah ein Umdenken stattfinden wird. Darüber hinaus befasse ich mich aktuell intensiv mit außeralpinen Gamsvorkommen in Deutschland, von Baden-Württemberg bis nach Sachsen. Denn kaum einer weiß, dass Gamsböcke auch außerhalb der Alpen ihre Fährten ziehen.


10. Wenn wir in die Zukunft schauen wie siehst du den Zustand deines abgelichteten Tieres in 30 Jahren bei uns in Deutschland?

Sollte die Forstpolitik nicht einlenken und dem Gamswild ihre ursprünglichen Lebensräume zurückgeben, so werden in Deutschland nur noch Inselvorkommen bleiben. Zusätzlich wird der Wolf diejenigen außeralpinen Population bedrohen, deren Lebensräume keine Rückzugsmöglichkeiten zur Feindvermeidung (wie hohe Felswände) bieten.


11. Was ist der wichtigste Tipp den perfekten Tiermoment zu erleben?

Eine gute Vorbereitung und Geduld. Bei der Vorbereitung sollte man sich intensiv mit dem Verhalten und dem Lebensraum der Tiere befassen, um diese überhaupt vor die Linse zu bekommen. Gedanken sollte man sich auch über mögliche Bildkompositionen, das Licht und den jeweiligen Hintergrund (Bokeh oder Detail, Ruhe oder Unruhe) machen. Ein besonderes Augenmerk ist darauf zu richten, die Tiere nicht zu beunruhigen und deren Lebensräume nicht zu zerstören! Lieber ein paar Fotos weniger als zertrampelte Wiesen und abgeknickte Pflanzen. Unachtsame Tierfotografen, wie sie leider immer häufiger zu beobachten sind, können unseren ganzen Stand in Verruf bringen.


12. Durch wen wurdest du für die Tierfotografie inspiriert?

Durch meine ältere Schwester und meinen Vater.


13. Durch was verdienst du als Tierfotograf Geld oder ist es Hobby?

Ich betreibe die Fotografie als Nebenberuf. Über Aufträge und Bilderverkauf an Verlage kann ich meine Ausrüstung und diverse Fotoreisen finanzieren.


14. Was ist dein nächster Wunschtiermoment?

Eis- und Braunbären. In 2022 stehen zwei Reisen in die Arktis und nach Skandinavien an. Davon träume ich schon seit Jahren!


15. Werbung in eigener Sache – Referenz und Werbung für dich selbst angeben, z.B. Webseitenadresse, …?

www.marcoschuette.com


16. Steckbrief Gämse

Hier geht es zum Steckbrief Gämse.