Einleitung Stephan Schulz gibt exklusive Einblicke in seine Arbeit als Naturfilmer. Er ist mein YouTube Vorbild, weil all seine Filme eine unglaubliche Liebe und Passion für die Natur ausstrahlen. Im folgenden Interview gibt er ein paar seiner Geheimnisse preis. Viel Spaß beim Lesen wünsche ich dir. Über ein Kommentar zum Artikel freue ich mich !

1.Wie sieht dein Setup beim Filmen aus (filmst du gleichzeitig mit mehreren Kameras, mit welchem Equipment filmst du Kamera+Objektiv?,…..) ?

Ich habe mir vor einigen Wochen ein neues Equipment angeschafft. Ich filme nun mit der Panasonic VariCam LT und dem 60-600mm Sigma. Davor habe ich mit der Panasonic GH5S und dem 100-400mm von Panasonic gearbeitet. Die GH5S nutze ich zusammen mit dem Canon 11-24mm als Zweitkamera per Fernsteuerung über die Panasonic App.  Die funktioniert meist recht verlässlich auf bis zu 20 Metern Entfernung.


2.Wie bist du in der Regel getarnt? Bzw. wieviel Prozent bei deinen Filmdrehs bist du getarnt? Wie sehen deine Drehorte aus? 

Ich bin zum Großteil immer mit 4-6 Tarnnetzen getarnt. Mit denen versuche ich das komplette Equipment zu verdecken. Dazu habe ich eine Sturmhaube in Tarnfarben, die vor allem bei Vögeln immer wieder Wunder bewirkt. Wenn die Tiere das menschliche Gesicht nicht erkennen, ist das schon die halbe Miete. Hin und wieder arbeite ich auch mit dem Tarnzelt, aber eher selten, da viele Tierarten die Veränderung in der Landschaft zu stark wahrnehmen. Ich versuche mich daher immer so klein und unauffällig wie möglich zu machen, ohne dass jedoch die Übersicht verloren geht oder ich in ungemütlicher Position sitze. Die Balance aus Tarnung, Übersicht und Bequemlichkeit macht es am Ende aus. Gar nicht getarnt bin ich nur, wenn ich z.B. an Orten filme, an denen viele Fotografen neben mir stehen. Ich bevorzuge aber meist das 1:1 mit der Natur und das Filmen aus dem Ansitz inklusive Tarnung ist einfach am vielversprechendsten. 


3.Wieviele Orte zum Filmen kennst du ? Hast du pro Tier mehrere Orte oder wie kann ich mir das vorstellen?

Ich habe eine Kooperation mit dem Nationalpark Unteres Odertal und habe dort viele Spots, die ich regelmäßig aufsuche. Es konzentriert sich wahrscheinlich auf 15-20 Orte, die ich immer wieder anfahre, da ich mich dort gut auskenne. In der Regel versuche ich eine Geschichte immer auch nur an einem Ort zu drehen. Manchmal ist es jedoch auch hilfreich die Aufnahmen aus mehreren Orten zu kombinieren, da gewisse Teile der Geschichte woanders einfacher gefilmt werden können. Zum Beispiel, wenn ich eine schöne Schwarzspechthöhle gefunden habe, aber sein Trommelbaum nicht gut einsehbar ist. Dann suche ich mir ein anderes Revier, in dem ich dann weitere Sequenzen wie den Trommelwirbel filmen kann, um am Ende die Aufnahmen mit dem anderen Schwarzspecht zu kombinieren. Voraussetzung ist natürlich, dass die Umgebung einigermaßen identisch ist und sich die Tiere im Aussehen nicht wesentlich unterscheiden. Was bei Schwarzspechten aber zum Beispiel eher nicht der Fall ist. 


4.Wie hat sich die Kooperation mit dem Nationalpark unteres Odertal ergeben?

Vor allem durch meinen eigenen Antrieb. Ich hatte bereits zwei Jahre dort von den Wegen aus gefilmt und habe mich dann einfach mal im persönlichen Gespräch vorgestellt. Irgendwann durfte ich dann vor den Mitarbeitern der Verwaltung einige meiner Filme zeigen und so kam die Kooperation zustande. 


5.Wie hast du die Orte erkundschaftet? Gesucht, Förster,…?

Meistens habe ich mir die Orte selbst erkundet. Das macht mir auch am meisten Spaß, weil man dabei viel über die Natur lernt. In der Regel nutze ich z.B. im Frühling die Mittagspausen und setze mich dann einfach ohne Kamera und nur mit Fernglas ausgerüstet an Stellen, die vielversprechend aussehen. Manchmal habe ich es auch schon bereut, dass ich die Kamera nicht mitgenommen habe. 😉 Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mich ohne Kamera besser auf die Umgebung konzentrieren kann und mehr von den Tieren mitbekomme. Das neue Wissen nutze ich dann, um mir einen Plan zu machen. Welche Szene will ich filmen? Wo kann ich mich am besten tarnen? Bei welchem Licht? Zu welcher Tageszeit ist das Tier aktiv? Diese und noch viele weitere Fragen stelle ich mir dann selbst, um so wenig wie möglich dem Zufall zu überlassen. Ich spreche mich jedoch auch sehr viel mit Jägern oder Landwirten vor Ort ab. Das reduziert Konflikte und bringt mir manchmal natürlich auch zusätzliches Wissen oder sogar ganz neue Chancen auf bestimmte Tiere.


6.Wie weißt du welche Jäger/Landwirte die richtigen Ansprechpartner sind? wo bekommst du den Kontakt her? 

Das ist manchmal tatsächlich nicht so einfach. Oft waren es Zufallsbegegnungen mit den Jägern oder ich habe beim Nationalpark nachgefragt, wer der zuständige Jäger im Gebiet ist. Da in den Überflutungsflächen des Nationalparks nicht gejagt wird, gab es dort aber ohnehin nur geringe Berührungspunkte. Mittlerweile habe ich eine Übersicht von der Nationalparkverwaltung bekommen, aus der die jeweiligen Ansprechpartner hervorgehen. 


7.Wie sieht für dich so ein Filmdrehtag aus, was sind die Schritte der Vorbereitung, Durchführung und Nachbearbeitung?

In der Regel stehe ich so früh auf, dass ich ungefähr eine Stunde vor Sonnenaufgang an dem Ort ankomme, an dem ich filmen will. Das ist wichtig, da die meisten Tiere in der Stunde vor Sonnenaufgang am aktivsten sind. Wenn ich dann noch lange umherlaufen und nach der richtigen Stelle suchen würde, würde ich mir viele Chancen auf tolle Tiermomente kaputtmachen. 

In der Regel nach ca. drei Stunden (wenn die Sonne zu stark ist) mache ich meine Mittagspause. Die verbringe ich oft (wie oben bereits beschrieben) mit der Suche nach neuen Spots und beobachte meine Umgebung. In der Regel sehe ich dann mehrere interessante Dinge, die ich am Abend oder an einen anderen Tag versuche zu dokumentieren. Abends sitze ich dann auch bis zum Ende der blauen Stunde an, wenn das ISO der Kamera am Ende angelangt ist. Die Nachbearbeitung mache ich meistens an Schlechtwettertagen. 😉 


8.Analysierst du potentielle Landschaften über google maps Bilder oder wie gehst du eine Analyse deiner näheren Umgebung an falls du vielversprechende Stellen suchst? 

Ja, Google Maps nutze ich sehr viel, um vorab einen Überblick über das jeweilige Gebiet zu bekommen. Zusätzlich nutze ich die App „Locus Map“, auf der ich gefundene Spots einspeichern und mit passenden Symbolen vermerken kann. Das hilft in einem so großen Gebiet wie dem Nationalpark sehr, um mir die Stellen merken zu können. Gerade wenn ich einen Spot finde, der erst zu einer späteren Jahreszeit interessant wird. 


9.Woher hast du deine tolle Filmmusik? 
Das ist völlig unterschiedlich. Ich habe mittlerweile gefühlt alle Musikplattformen schon ausprobiert (Audionetwork, Artlist, Epidemicsounds, Music Vine, Soundstripe, etc.). Es hat mich aber auch bei keiner ewig gehalten, da der für Naturfilme passende Musikstil eher die Minderheit ausmacht. Es macht aber auch Spaß manchmal etwas Neues auszuprobieren. Die Auswahl insgesamt ist aufgrund der vielen Plattformen und der regelmäßigen Updates auf jeden Fall groß. 

10.Wie hast du zahlungskräftige Sponsoren gefunden?

Ich wünschte ich hätte einen. 😉 Nein, Sponsoren habe ich tatsächlich keinen einzigen. Ich verdiene mein Geld hauptsächlich mit dem Verkauf von Footage an Produktionsfirmen oder Filmaufträgen von TV-Sendern. Dazu kommen immer mal wieder andere Auftraggeber aus völlig unterschiedlichen Bereichen. Ich habe ja auch noch einen Nebenjob in der Versicherungsbranche, der mir zumindest für drei Tage pro Woche Einnahmen garantiert. Mein Equipment habe ich vor allem auch durch eigene Ersparnisse finanziert. Der Wunsch nach besserem Equipment hört wahrscheinlich auch niemals auf. Ich träume vom Canon CN20x50, aber ich fürchte das wird ein langer Weg bis dahin. 😉


11.Was waren für dich die wichtigsten Schritte deine „Berühmtheit“ zu erlangen? 

„Berühmtheit“…schön wär’s. 😀 Ich weiß aber wahrscheinlich, was du damit meinst. Ich habe vergleichsweise recht schnell einen Fuß in diese Branche bekommen, weil ich sehr viel über Social Media gemacht habe. Facebook, YouTube, Instagram und Google haben mir eine gute Reichweite verschafft. Diese hat immer wieder auch dazu geführt, dass Produktionsfirmen, TV-Sender, Tierfilmer, usw. auf mich aufmerksam geworden sind. Das war ein großer Faktor, so schnell in der Tierfilmbranche Fuß zu fassen. Die weiteren Schlüssel waren sicherlich meine Geduld, meine Leidenschaft für die Natur und mein Drang immer das Maximum aus meinem Equipment herauszuholen und an jeder noch so kleinen Schraube zu drehen, bis die Aufnahmen so wurden, wie ich sie gerne hätte. 


12.Wie hast du es geschafft, diese Vielzahl an Topvideos auf YouTube hochzuladen?

Vielen Dank für das Kompliment! Wie ich so viele Videos hochladen konnte, kann ich ehrlich gesagt gar nicht sagen. Aber auch das geht letztendlich nur mit der Leidenschaft zur Natur und zum Naturfilm. Dadurch, dass ich auch am Schneiden meines Materials viel Freude finde, fällt es mir nicht schwer regelmäßig Videos hochzuladen.


Hier der Link zu Stephan Schulzs YouTube Kanal, schaut rein es lohnt sich!

https://www.youtube.com/channel/UCtA-_Y27fgq-gOLquPNO85A