Einleitung – der Sperlingskauz hat Beute dabei für den Nachwuchs und blickt wie magisch angezogen in die Kamera- wie das Bild entstanden ist erzählt uns Gerald Haas im folgenden Interview. Vorab ein kurzer Steckbrief zum Sperlingskauz.

00. Steckbrief Sperlingskauz

Familie: Kleinste Eule Europas. 

Erscheinungsbild: Weibchen etwas größer wie Männchen. Männchen 16 cm und Weibchen 19 cm groß. Männchen 60 g und Weibchen 100 g Gewicht. Männchen 35 cm und Weibchen 38 cm Spannweite. Dunkelgraubraun. Brust und Bauch hell. Gelbe Iris. 

Verbreitung: Im Waldgürtel von Frankreich bis Sibirien. Bevorzugt in Wäldern über 400 m bis zur Baumgrenze.

Lebensraum: Nadelwälder, Mischwälder. Wild nicht durchforstet mit Tot- und Altholzbestand. Forstwald mit Bäumen aller Dimensionen. Nahe an Gewässern.

Nahrung: Kleinsäuger und Kleinvögel. Nahrungsspektrum sehr groß – z.B. Tannenmeise, Mäuse, Amphibien und Reptilien.

Fortpflanzung: Monogame Saisonehe. Höhlenbrüter (v. a. in Höhlen von Bunt- und Dreizehenspecht). Anfang März bis Ende Juli; Legebeginn ab Anfang April. Geschlechtsreif mit 5 Monaten. 4-7 Eier. 

Verhalten: Standvogel-ganzjährig zu beobachten. Bodentiere werden durch Ansitzjagd und Vögel mit Überraschungsangriff erbeutet. Kontaktscheu und aggressiv gegen Artgenossen. Standorttreu. 1 km² Reviergröße. 

Aktivzeit: Während Brutzeit oder schlechtem Wetter auch tagaktiv ansonsten vor Allem dämmerungsaktiv.

Lebenserwartung: bis 7 Jahre.

Bestandszahl Deutschland: Nicht gefährdet. Etwa 5000 Brutpaare.

Feinde: Andere Eulenarten, Marder.

Besonderheiten: Kopfdrehung bis 270 °.


1. Kurzbeschreibung wer du bist?

Meine Leidenschaft für die Naturfotografie begleitet mich schon seit meiner Jugend und hat auch meine Berufswahl als Biologe mit beeinflusst. Seit gut 15 Jahren verbringe ich so viel Zeit mit der Fotografie wie es mir nur möglich ist. Entweder bin ich in der Natur meiner Heimat unterwegs oder in den Nationalparks ferner Länder. Die Fotografie hat mir viele unvergessliche Erlebnisse verschafft, die mich immer wieder losziehen lassen um Neues zu entdecken.

Bei nationalen sowie internationalen Foto-Wettbewerben erhielt ich mehrere Auszeichnungen. Mittlerweile habe ich über 30 Artikel für Fach- und Fotomagazine publiziert. 


02. Welches Tier fotografierst du am Liebsten und war dein Tiermoment des Lebens?

Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten: Wenn sich eine gute Fotomöglichkeit bietet, fasziniert mich eigentlich jede Art auf ihre Weise. Da macht es keinen Unterschied, ob ein kleiner Käfer vor meiner Linse ist oder ein gigantischer Elefant.

Intensive Tiermomente hatte ich einige: Nie vergessen werde ich den Augenblick, als ich in Botswana (unbeabsichtigt) plötzlich nur 20 Meter vor einer Kaffernbüffelherde stand und dem Leitbullen direkt ins Auge blickte. Aber auch der hier gezeigte Moment mit direktem Augenkontakt eines Sperlingskauzes gehört für mich zu den schönsten Momenten in der heimischen Natur.


03. Mit welcher Fotoausrüstung (Kamera und Objektiv) und Bildeinstellung (Belichtungszeit, Blende, ISO, Brennweite) entstand dein Bild?

Canon 5D Mark III, EF 400mm f/2,8 IS USM II mit 2x Konverter – f/7,1, 1/250s, ISO 3200


04. Was für eine Autofokuseinstellung hast du benutzt?

Kontinuierlicher Autofokus


05. Warst du im Serien- oder Einzelbildmodus? 

Leiser Serienbildmodus


06. In welcher Position warst du beim Fotografieren – sitzend, liegend, stehend,…? Warst du getarnt?

Stehend und ohne Tarnung. Das war eine der wenigen Foto-Möglichkeiten, bei dem eine Tarnung nicht notwendig war.


07. Zu welcher Uhrzeit und Datum entstand dein Bild?

Mitte Juni kurz vor 7 Uhr.


08. Wo entstand dein Bild?

In einem Auwald in der Nähe meines Heimatortes.


09. Welches Tier und welche Tätigkeit des Tieres ist zu sehen?

Ein Sperlingskauzweibchen ist mit seiner Beute auf dem Weg zur Bruthöhle, um die Jungen zu füttern. Bei einem kurzen Zwischenstopp auf diesem Ast konnte ich ein Foto machen, bevor es weiterflog.


10. Woher wusstest du das dieses Tier sich an diesem Ort aufhält?

Ich hatte die ehemalige Bruthöhle eines Buntspechtes seit Jahren unter Beobachtung. Als dann der Sperlingskauz dort seine Jungen aufzog, war ich natürlich regelmäßig vor Ort, um die Aufzucht fotografisch zu dokumentieren.


11. Wie war der Moment vorbereitet oder passierte es spontan? Wolltest du genau dieses Tier fotografieren?

Ich habe in der Nähe der Bruthöhle darauf gewartet, das Weibchen oder das Männchen mit Beute zu fotografieren. Da die Anflüge aus unterschiedlichsten Richtungen erfolgten und nicht vorhersehbar waren, bestand die größte Herausforderung darin, im dichten Geäst des Waldes schnell genug einen geeigneten Standort mit guter Sicht für die Aufnahme zu finden. Oft genug ging ich dabei leer aus, aber dieses Mal hatte für eine Sekunde alles gepasst und ich konnte den Moment mit direktem Blickkontakt einfangen.


12. Was fasziniert dich besonders am Tier?

Der magische Blick!


13. Was ist der wichtigste Tipp den perfekten Tiermoment zu erleben?

An einem Foto-Projekt dran bleiben und ausarbeiten, solange sich die Gelegenheit dazu bietet. Oft genug sind die Möglichkeiten zeitlich begrenzt. Und je länger man sich mit einem Thema beschäftigt, umso besser werden die Fotos.


14. Durch wen wurdest du für die Tierfotografie inspiriert und wer ist dein Vorbild?

Es gibt nicht den einen bestimmten Fotografen, der mich besonders inspiriert. Anregungen aus dem Internet gibt es viele, aber ich versuche meinen eigenen fotografischen Weg zu gehen.


15. Was ist dein nächster Wunschtiermoment? 

Das sind zu viele, um sie hier alle aufzuzählen.

Konkret begleite ich fotografisch ein Aufzuchtprojekt für Habichtskäuze. Es wäre toll, wenn ich eine Jagdszene festhalten könnte!


16. Werbung in eigener Sache – Referenz und Werbung für dich selbst angeben, z.B. Webseitenadresse, …?

Webseite: www.photo-outdoor.de

Instagram: www.instagram.com/photo_outdoor.de/