Einleitung Auf den ersten Blick ein unspektakuläres Bild? Nein, denn zu sehen ist eine erfolgreiche Familiengründung der bei uns seltenen Schwarzstörche. Besonders emotional empfinde ich die gegenseitigen Blicke der beiden mittleren Schwarzstörche – siehe im Artikel folgenden Bildausschnitt. Lass dich davon verzaubern und genieße diesen gelungenen Tiermoment ! Alle Hintergründe zu diesem Bild erzählt uns Marcel Denkhaus in diesem Interview. Viel Spaß beim Lesen und schreibt gerne einen Kommentar zu diesem Bild!

Kurzbeschreibung wer Du bist? 

Mein Name ist Marcel Denkhaus, Jahrgang 1974. Meinen Lebensunterhalt und damit auch die Mittel für mein Hobby Naturfotografie verdiene ich als Unternehmensjurist.

Bereits als Jugendlicher hatte ich großes Interesse an Tieren, bzw. an der Tierbeobachtung, insbesondere Greifvögel üben bis heute eine große Faszination auf mich aus. Dementsprechend verbrachte ich viel Zeit in Feld und Wald, immer bewaffnet mit einem kleinen 8 x 21 Fernglas. Im Alter von 15 Jahren erwachte in mir der Wunsch, meine Beobachtungen auch dauerhaft festhalten zu können. Zu der Zeit weckte ein Cousin mein technisches Interesse für die Fotografie und so hatte ich bald darauf meine erste (Spiegelreflex-)Kamera.

Seitdem hat sich viel getan, nicht nur technisch, Stichwort Digitalkameras. Nach dem Studium, währenddessen ich praktisch nicht fotografiert habe, und mit dem Einstieg in das Berufsleben 2007 habe ich mich in meiner Freizeit immer intensiver mit der Naturfotografie beschäftigt und ständig an Erfahrung hinzu gewonnen – sowohl in technischer Hinsicht aber auch in Bezug auf mein Verhalten in der Natur sowie das Verhalten der Tiere. Wissen ist auch hier einer der Schlüssel zum Erfolg. Neben ganz viel Zeit, Leidensfähigkeit und einer großen Portion Glück.

Meine Motive suche und finde ich mittlerweile nahezu ausschließlich im unmittelbaren Umfeld meines Wohnortes. Warum weit reisen, wenn man die umliegenden 5 Kilometer noch nicht wirklich erforscht hat? Und ich finde auch auf „ausgetretenen Pfaden“ fast immer noch etwas Neues, Faszinierendes.

In jedem Fall gilt: Erst das Tier, dann das Foto. Und im Zweifel kein Foto. Als Fotograf ist man Gast in der Natur und im Idealfall verlässt man den Ort des Schaffens ohne Spuren zu hinterlassen.

 

Welches Tier fotografierst Du am Liebsten und was war Dein Tiermoment des Lebens? 

Ich habe keinen echten Favoriten. Greife in freier Wildbahn zu sehen und zu erleben beschert mir immer noch gelegentlich eine Gänsehaut, nicht nur, wenn ich das Auge am Sucher habe und den Vögeln optisch ganz nah bin. Aber ich kann mich ebenso an wildlebenden Säugetieren, anderen Vögeln und auch an Insekten und der Flora an und für sich erfreuen. Von daher erlebe ich auch immer wieder Momente in der Natur, die für Geld nicht zu haben sind.

Groß war meine Freude als es mir gelungen ist, im dritten Jahr hintereinander auf Texel endlich bei den Rohrweihen die Übergabe des „Brautgeschenkes“ zu erleben und zu fotografieren. Ein Bild, das jetzt großformatig in meinem Schlafzimmer hängt. Oder meine ersten formatfüllenden Aufnahmen eines jungen Mäusebussards in einer alten Eiche. Oder der Uhu, der mir, nachdem ich ihn entdeckt hatte und nur ein 100-400er dabei hatte, Zeit ließ um nach Hause zu fahren und das 600er + Extender und Stativ zu holen… usw.

Einer meiner schönsten Momente war aber sicherlich der hier gezeigte mit den vier jungen Schwarzstörchen – für sich genommen kein spektakuläres Foto, aber eins, das für mich wie auch für die Vögel den erfolgreichen Abschluss einer intensiven Phase bedeutet.

Trotz einer von einigen Risiken und Härten (Sturm, der den Horst in den ersten Tagen der Brut beschädigt hat, Starkregen, anhaltende Trockenheit) belasteten Brut haben es die beiden Alttiere geschafft, alle vier (!!!) Jungtiere durch zu bekommen. Eine beachtliche Leistung!

Ich habe die Brut im Rahmen meiner Möglichkeiten eng mit der Kamera begleitet, vom Einfliegen des männlichen Altvogels über die Ankunft des Weibchens über drei Wochen des bangen Wartens später, die Kopulation, Brut und die gesamte Aufzucht der Jungtiere bis zu deren Ausflug. So war das hier gezeigte Motiv einer der unbezahlbaren Momente, als endlich auch der letzte der vier Jungvögel so weit war und seinen Geschwistern auf den nahegelegenen Baum und damit in die Freiheit folgen konnte.

 

Mit welcher Fotoausrüstung (Kamera und Objektiv) und Bildeinstellung (Belichtungszeit, Blende, ISO, KB Brennweite) entstand Dein Bild? 

Canon EOS-1D X Mark II, Canon EF600mm f/4L IS II USM, 1/100Sek, f4,0, ISO800, Gitzo GT5532LS + Sachtler FSB8, Drahtauslöser.

 

In welcher Position warst Du beim Fotografieren – sitzend, liegend, stehend,…? 

Das Foto entstand stehend vom Stativ aus.

 

Zu welcher Uhrzeit und Datum entstand Dein Bild? 

Das Foto ist in der späteren Mittagszeit entstanden. Normalerweise fotografiere ich bei Sonnenschein nicht nach 10 Uhr, aber bei den Schwarzstörchen war durch das dichte Blätterdach gerade in der Mittagszeit oft erstmals genug Licht da, um bei moderaten ISO-Werten mit langer Brennweite (regelmäßig 1200mm, also f/8) das Geschehen im Horst fotografieren zu können.

 

Wo entstand dein Bild? 

Heimatnah. Nähere Angaben möchte ich nicht machen. Es handelt sich um den einzigen Horst im gesamten Kreisgebiet und der Standort ist nur wenigen bekannt. Und das soll auch so bleiben. 

Anzumerken ist in diesem Zusammenhang noch, dass meine Präsenz vor Ort mit Wissen des zuständigen Naturschutzbeauftragten als Vertreter der UNB und in Kenntnis des örtlichen NABU erfolgte. Selbstverständlich unter Wahrung größtmöglichen Abstands zum Horst und zumeist nur für kurze Zeit, um die Tiere möglichst nicht zu stören. Tarnkleidung und entsprechend angepasstes Verhalten sind ebenso eine Selbstverständlichkeit.

 

Welches Tier und welche Tätigkeit des Tieres ist zu sehen? 

Das Bild zeigt vier junge Schwarzstörche zu Beginn ihres ersten gemeinsamen Ausflugs aus dem Horst. Dieser führte die zuerst ausgeflogenen Jungstörche regelmäßig zunächst auf den im Bild zu sehenden umgekippten Baum, von wo aus die neugierigen Racker dann ihre ersten Erkundungen des Umfeldes unternahmen, auf das sie die ersten Wochen ihres Lebens nur aus luftiger Höhe blicken konnten. Hier nun sind erstmals alle vier ausgeflogen und dieser „Routine“ folgend gemeinsam auf dem umgekippten Baum zwischengelandet.

 

Woher wusstest Du dass diese Tiere sich an diesem Ort aufhalten? 

Den Horst habe ich auf einen meiner Streifzüge im Herbst entdeckt. Ich konnte diesen „Riesentrümmer“ zuerst nicht wirklich einordnen, hatte aber so eine Ahnung, die sich dann auch im folgenden Frühjahr bestätigte. Seitdem verfolge ich im Rahmen der mir zur Verfügung stehenden Zeit den Brutverlauf und habe ein scharfes Auge auf alles, was sich sonst noch so in Horstnähe tut.

 

Wie war der Moment vorbereitet oder passierte es spontan? 

Der eigentliche Moment entstand spontan. Es gibt dort eigentlich nur einen Punkt, von dem aus man gut Fotos vom Horst machen kann. Dort war mein üblicher Standplatz, auch an diesem Tag. Wie schon in den Tagen zuvor konnte ich beobachten, dass drei der vier Tiere nunmehr soweit waren und den Horst verließen. Nur einer blieb weiterhin stehen, traute sich noch nicht.

Mir war in den vorausgehenden Tagen aufgefallen, dass die Jungtiere die zuerst den Sprung in die weite Welt gemacht haben (zwischen dem ersten Vogel, der es gewagt hat und dem letzten der vier lagen sechs Tage) gerne auf dem nahegelegenen, umgestürzten Baum einen Zwischenstopp einlegten. Das passierte aber nicht bei jedem Ausflug. 

Dass es dann schlussendlich beim ersten Ausflug des letzten „Nesthockers“ zu einer Kette von vier Ausflügen im Abstand von nur wenigen Sekunden kommen würde, die alle vier für’s Erste auf diesem Baum endeten, damit hatte ich nicht gerechnet. Es war das erste und das letzte Mal, dass ich alle vier zusammen außerhalb des Horstes gesehen habe.

Ich hatte wie üblich einen Extender am 600er und musste den für das Bild erstmal raus nehmen und dann meine Position um ein paar Meter verlagern, um die auf dem Bild gezeigte Perspektive einnehmen zu können. Die Störche haben aber brav gewartet und so hat sich es gelohnt… ein Bild für’s Familienalbum der Störche.

 

Was fasziniert Dich besonders am Tier? 

Jedes Tier ist auf seine Art schön. Schwarzstörche aber zählen meines Erachtens zu den wirklichen Perlen, die die Natur hervorgebracht hat. Sie strahlen eine unglaubliche Anmut aus, das pechschwarze Gefieder der Altvögel schillert bei Sonneneinstrahlung unbeschreiblich schön und: Sie sind trotz Schutz selten, da sie sehr scheu und störungsanfällig sind und einen Lebensraum bevorzugen, der leider heute immer seltener wird.

Von daher betrachte ich es als etwas wirklich besonderes, diese beeindruckenden Tiere bislang standorttreu in meiner Heimat zu haben und als riesiges Privileg, mit der Kamera so intime Einblicke in ihr Leben während der Brutphase bekommen zu dürfen. Beruhigend in dem Zusammenhang war für mich in besonderem Maße, dass diese üblicherweise so scheuen Tiere sich im Falle dieses Brutpaares als ganz schön neugierig herausgestellt haben. So haben sich die Alttiere während der Brut- und Aufzuchtphase teilweise in unmittelbarer Nähe zu mir auf Ästen niedergelassen und sich nach einiger Beobachtung des zweibeinigen Wesens mit diesem komischen langen Rohr auf drei Beinen seelenruhig der Gefiederpflege gewidmet oder mit einem eingezogenen Bein eine Runde gedöst – ein deutliches Zeichen dafür, in mir keine Gefahr oder Störung zu sehen.

 

Was ist der wichtigste Tipp den perfekten Tiermoment zu erleben? 

Nimm‘ Dir Zeit, viel Zeit. Werde Teil der Natur. Trage Kleidung, die optisch dem Umfeld ähnelt und nicht raschelt, idealerweise eine Gesichtsmaske, verzichte (bis auf Deo vielleicht) auf alles was Tiernasen rümpfen lässt, beachte die Windrichtung, bewege Dich langsam und mit Bedacht und vor allem: Sei leise und höre zu. Viele meiner Bilder sind entstanden, weil ich die Tiere vorher gehört habe. Oder die Warnrufe anderer Tiere. Und genau diese wenigen Momente „Vorsprung“ entscheiden ganz oft darüber ob man überhaupt ein Bild macht oder ob ein Bild, eine Serie gelingt.

Naja, und was auch nicht verkehrt ist: Beherrsche die Technik, die Dir Bilder bescheren soll.

 

Durch wen wurdest Du für die Tierfotografie inspiriert? 

Neben den oben ausgeführten Impulsen für den technischen Hintergrund der Fotografie war es weniger ein Mensch als vielmehr eine Ausgabe der „Fotografie draußen“ (später „NaturFoto“), die ich in einem Fotogeschäft als Werbeartikel mitgegeben bekommen habe. Ich war im Grunde sofort infiziert und im Abo hat mich die Zeitung über viele Jahre hinweg (bis zum Studium, da hatte ich anderen Lesestoff) inspiriert, wenngleich es noch viele viele Jahre gedauert hat, bis ich an die dort gezeigten Bilder Anschluss gefunden habe.

Wenn wir in die Zukunft schauen wie siehst Du den Zustand Deines abgelichteten Tieres in 30 Jahren bei uns in Deutschland? 

Schwer zu sagen – ich bin weder Biologe noch Hellseher. Wenn allerdings die Sommer der letzten beiden Jahre zukünftig den Regelfall darstellen sollten sind die Bilder von heute vielleicht das, was wir unseren Kindern und Enkelkindern zeigen können. Wer zynisch sein mag mit den Worten „Seht her, was wir und unsere unmittelbaren Vorfahren in wenigen Jahrzehnten vernichtet haben“.

In diesem Jahr ist die Hauptnahrungsquelle der Schwarzstörche hier, ein an und für sich kräftiger Bach, vollständig ausgetrocknet. Das habe ich in den letzten 30 Jahren nicht erlebt. Die Schwarzstörche haben wie mir zugetragen wurde teilweise Katzenfutter aufgenommen, das Anwohner in der nähe gelegener Häuser rausgestellt hatten. Die Bäume werfen ihr Laub bereits jetzt, Anfang August ab. Es ist bei dieser Entwicklung absehbar, dass gerade der Hochwald wie wir ihn heute kennen bei anhaltender Trockenheit und Hitze stark zurückgehen wird. Schwarzstörche brauchen aber beides: Ausgedehnte Hochwälder, die möglichst wenig von Menschen frequentiert werden und saubere, fischreiche Fließgewässer. Es sieht daher wohl nicht wirklich gut aus um die Zukunft der Schwarzstörche, zumindest hier in NRW.

 

Durch was verdienst Du als Tierfotograf Geld oder ist es Hobby? 

Tier-/Naturfotografie ist für mich ein Hobby. Es ist ein Ausgleich für den Büroalltag und tief gehende Passion. Rückblickend hätte ich wohl tatsächlich eine andere berufliche Ausrichtung wählen sollen, aber das ist eine andere Baustelle…

 

Was ist dein nächster Wunschtiermoment? 

Auch wenn es schon zigtausende beeindruckender Eisvogelbilder gibt – mir ist noch keines gelungen, das mich so richtig zufrieden macht. Was fehlt ist der passende Spot. An den bekannten Eisi-Spots habe ich kein Interesse, meine Bilder entstehen mit dem Anspruch, die Locations selbst zu scouten und dort als Teil der Umgebung so zu fotografieren, dass die Tiere möglichst gar nicht merken, das ich da war oder bin.

 

Danke an Marcel Denkhaus für dieses inspirierende Interview, mehr von ihm unter http://www.wildlifefotografie.net

 

Teile auch dein Tiermoment und kontaktiere mich – alle Details unter http://tiermoment.de/bewerbe-dich/.