Einleitung – ein ganz besonders anmutendes Bild, was durch die Farben, Bewegung und Klarheit begeistert. Im Interwiew erzählt uns Jan Goedelt die Hintergründe zu diesem Bild. Viel Spaß beim Lesen des Artikels! Schreibt gerne einen Kommentar! Was hat euch besonders am Artikel gefallen oder gefehlt, von wem würdet ihr gerne das nächste Interview lesen. Freue mich auf eure Kommentare.

 

Kurzbeschreibung wer Sie sind und was Sie machen?

Mein Name ist Jan Goedelt, 44 Jahre alt, und ich wohne in Schleswig-Holstein. Nebenberuflich fotografiere ich seit vielen Jahren hauptsächlich Vögel, anfangs noch analog, seit 2007 digital. Vor einiger Zeit habe ich meine Objektiv-Palette erweitert, um auch mal Makro- oder Landschaftsfotos machen zu können. Nach wie vor aber bleiben Vögel meine Lieblingsmotive.

 

Welches Tier fotografieren Sie am Liebsten und war der Tiermoment des Lebens?

Unter den Vögeln haben es mir die Seeschwalben am meisten angetan, denn diese grazilen Möwenverwandten haben nicht nur ein erstaunliches Zugverhalten, sondern zeigen auch ein mich total begeisterndes Balzverhalten. Die Futterübergabe der balzenden Partner im Bild festzuhalten, ist eine wahre Herausforderung! Bei Fluss- und Küstenseeschwalben gefallen mir die Auseinandersetzungen in der Luft besonders gut, wenn zwei laut zeternde Vögel aufsteigen, manches Mal um Beute streiten oder während des akrobatischen Flugschauspiels ihre Schnäbel verhaken. 

 

Bildbeschreibung

Eine solche Situation zwei sich streitender Küstenseeschwalben zeigt dieses Foto; auf einen solchen Moment habe ich in diesem Jahr wieder nur bei bewölktem Himmel gewartet – nach einigen Versuchen ist es mir dann geglückt, eine Auseinandersetzung um eine Seenadel abzulichten. Der Reiz liegt für mich darin, die weißen Vögel gegen den hellen bewölkten Himmel zu fotografieren, was sowohl das Rot ihrer Schnäbel und Beine betont als auch die Eleganz der Seeschwalben.

 

Mit welcher Fotoausrüstung (Kamera und Objektiv) und Bildeinstellung (Belichtungszeit, Blende, ISO, KB Brennweite) entstand das Bild?

Hierfür nutzte ich eine Nikon D500, deren zügiger Autofokus bei den rasanten Fliegern sehr hilfreich ist, daneben ein 300mm-Objektiv von Nikon mit der Ausgangsblende 4. Aufgenommen habe ich das Bild mit der Blende 5, 1/1250 Sekunde mit einer Belichtungskorrektur von +2.3, ISO 400. 

 

Wann und wo entstand das Bild?

Das Foto entstand mittags am 21. Mai 2019 am Eidersperrwerk nahe Tönning, wo sich seit Jahren eine größere Seeschwalbenkolonie etabliert hat. Dort lassen sich immer wieder derartige Luftszenen fotografieren, allerdings muss man das Glück haben, dass die Vögel sich dicht genug am Fotografen streiten, auch ist es nicht gerade einfach, eine solche Szene scharf abzulichten. Viele vergebliche Versuchen waren hierfür erforderlich…

 

Was ist der wichtigste Tipp den perfekten Tiermoment zu erleben?

Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass wesentliche Aspekte Geduld und Beharrlichkeit sind, auf den richtigen Moment zu warten. So manches Mal kommt man ohne die erhofften Fotos zurück nach Hause – dies sollte einen nicht davon abhalten, nochmals an der selben Stelle sein Glück zu versuchen, bis es schließlich klappt. Oder auch vor Ort: aus einer zunächst langweilig anmutenden Szene kann sich rasch eine tolle, sehenswerte Aktion entwickeln, so dass sich ein Warten stets lohnt.

 

Was fasziniert Sie an der Natur?

Mich fasziniert besonders an der Tierfotografie, dass sich immer wieder völlig unerwartete Szenen abspielen, mit denen man nicht gerechnet hat. Zudem ist es ein tolles Gefühl, getarnt inmitten der Natur zu sein und die Tiere bei ihrem natürlichen Verhalten zu beobachten und zu fotografieren und hierbei nicht als zweibeiniger Feind wahrgenommen zu werden. 

 

Durch was verdienen Sie als Tierfotograf Geld?

Mir macht das Fotografieren so viel Spaß, dass es nicht so sehr auf das Geldverdienen ankommt – ich betrachte die Fotografie, wenn es sich beruflich und familiär einrichten lässt, als einen tollen Ausgleich zum Alltag, in dem man in eine ganz andere Welt abtauchen kann. Nebenbei verdiene ich, um mir z.B. neue Ausrüstungsgegenstände oder einen Fotourlaub leisten zu können, Fotohonorare durch Veröffentlichungen in Vogel- und Naturzeitschriften, Büchern, Kalendern bzw. durch den Verkauf von Fotos. 

 

Wenn wir in die Zukunft schauen wie sehen Sie den Zustand der Natur in 30 Jahren bei uns in Deutschland?

So wie sich die Entscheider in der Politik derzeit verhalten und agieren, sehe ich für die Natur keine gute Zukunft. Zwar gab es durch die „Bienen-Bewegung“ auch einen gewissen Ruck, der auch in Teilen die Politik erfasste, aber nach wie vor fehlt es meiner Meinung nach an dem erforderlichen Mut, gerade in der Landwirtschaft ein erhebliches Umdenken herbeizuführen. Auf Freiwilligkeit kann man hierbei nicht setzen. Vor Ort fehlt es zudem an einem Umdenken in den Kommunen und Städten. Auch an den Küsten muss noch viel mehr für den Naturschutz getan werden, denn leider haben oftmals vermeintlich gewinnträchtige Vorhaben gegenüber der Natur die Oberhand, viel größere Bereiche müssten als Naturschutzgebiete ausgewiesen werden, wo auch Freizeitsuchende und Sportler leider draußen bleiben müssen… Insgesamt betrachtet wird sich leider das menschgemachte Artensterben fortsetzen.

 

Danke an Jan Goedelt, mehr von ihm unter www.natur-linse.de.

 

Teile auch dein Tiermoment und kontaktiere mich – alle Details unter http://tiermoment.de/bewerbe-dich/.