Einleitung – Selten hat mich ein Bild so fasziniert wie dieses! Deshalb freue ich mich umso mehr aufs Interview und die Geschichte hinter dem Bild. Euch viel Spaß beim Lesen und schreibe gerne einen Kommentar!

Wer Sie sind und was sie machen? Meine Name ist Christian Kutschenreiter, ich bin 45 Jahre alt und bin Elektroingenieur. Die Fotografie entdeckte ich erst vor 17 Jahren zusammen mit meiner Frau Bettina. Seitdem widmen wir uns gemeinsam dieser wunderbaren Thematik.

Welches Tier foto-/videografieren Sie am Liebsten und war dein Tiermoment des Lebens?

Eigentlich sind wir generell an allen Aspekten der Naturfotografie interessiert. Aber ein Schwerpunkt ist zweifelsfrei die Biberfotografie. Vor 15 Jahren entdeckten wir zufällig eine Biberfamilie mit Jungtieren, beim Fotoansitz auf einen Eisvogel. Von der Situation waren wir so begeistert, dass wir ein Biberprojekt gestartet haben, das bis zum heutigen Tage andauert. Wir verbrachten abertausende Stunden mit dieser Biberfamilie und sind heute quasi als Familienmitglieder akzeptiert. So können wir natürlich völlig anders fotografieren und arbeiten und haben so über die Jahre hinweg einmalige Bilder und Verhaltensweisen fotografiert und auch gefilmt. Die Einblicke in das Sozial- und Familienleben sind immer wieder faszinierend. Kein Tag ist wie der andere und jedes dieser Tiere hat seinen ganz einen Charakter, Persönlichkeit und auch Verhaltensweisen.

Bildbeschreibung? Biberrasselbande, drei junge Biber beim Spielen auf einem alten Baumstamm.

Bildtechnik? Nikon D3, 17-35mm, 2.8 Weitwinkel Objektiv, ISO 640, 1/125

Zu welcher Uhrzeit und Datum entstand das Bild? Im August am Abend – 9.8.2009 um 19:43 Uhr.

Wo entstand das Bild? Bei Rosenheim, verständlicherweise werden wir den Platz der Biberfamilie nicht preisgeben.

Welches Tier und welche Tätigkeit des Tieres ist zu sehen? Junge Biber haben auch Spielplätze, das ist einer davon. Diese versuchen sich dort herunter zu schubsen, auf den Baum hinauf zu klettern und sich im Wasser herum zu jagen. Sie spielen wie dies eben junge Säugetiere machen.

Woher wussten Sie das dieses Tier sich an diesem Ort aufhält? Ich wollte die Biber beim vorbeischwimmen fotografieren, nachdem diese sehr scheu sind, haben sie das schon lange vorher mitbekommen dass ich an einem anderen Platz sitze und haben mich nur tauchend passiert, leider. Später bemerkte ich, dass etwa 20m unterhalb meines Sitzplatzes reges Treiben herrschte. Ich sah die jungen Biber herumtollen. Ich beschloss bis auf meine Unterhose alles auszuziehen und näherte mich in dem brusttiefen, wirklich sehr kalten Wasser langsam den Jungtieren. Mit meinem Weitwinkelobjektiv machte ich dann diese Aufnahme. Biber sind genauso lustig, raffiniert, schlau und knuffig wie sie auf diesem Bild aussehen. Aber eigentlich war die Situation aus deren Sicht nicht weniger amüsant, einen halbnackten, käsigen Naturfotografen direkt vor Ihnen der versucht sich anzupirschen und so Aufnahmen von Ihnen zu machen. Vielleicht ist auch das der Grund warum die Kerlchen so grinsen.

 

Wie war der Moment vorbereitet oder passierte es spontan? Es passierte spontan, so etwas kann man nicht vorbereiten, denn jeder Tag vor Ort bei den Bibern ist anders.

Was fasziniert Sie besonders am Tier? Erst einmal das unglaubliche Vertrauen dass diese Biberfamilie uns gegenüber hat und das wir auch nie missbrauchen werden. Das Sozial- und Familienleben, wie klug, smart und liebenswert die Tiere sind, die landschaftsgestalterische Tätigkeit und die Tatsache dass Biber unsere größten Naturschützer überhaupt sind. Hier in Bayern sind 2/3 aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht und jede Dekade werden dies 10% mehr. In den von den Bibern geschaffenen Lebensräumen profitieren hunderte Tier- und Pflanzenarten von deren Fähigkeiten, siedeln sich wieder an, finden Nahrungsquellen und pflanzen sich dort auch fort. Gerade in der heutigen Zeit ist der Biber daher umso wichtiger für uns, sowie die Fauna und Flora. Pro Jahr erbringt jeder Biber eine Renaturierungsleistung von etwa 10000 Euro im Sinne des Natur- und Artenschutzes. Auch der Mensch profitiert direkt und indirekt von deren Tätigkeiten, diese klären unsere überdüngten Gewässer, betreiben Hochwasserschutz, erhöhen den Grundwasserspiegel wodurch weniger CO2 in die Atmosphäre gelangt indem weniger Torf in klimaschädliches CO2 zerfällt (trockengelegte und landwirtschaftlich genutzte Hoch- und Niedermoore machen ca. 40-50% der bayerischen Flächen aus). Eigentlich profitiert jeder von den landschaftsgestalterischen Tätigkeiten der Biber, direkt oder indirekt, auch wenn dies viele leider nicht wahrhaben wollen.

Was ist der wichtigste Tipp den perfekten Tiermoment zu erleben? Die Tiere lernen/erkennen sehr schnell ob man diesen etwas Böses will oder nicht, so dass wir auf Tarnansitze o.ä. eigentlich komplett verzichten. Wenn man gelernt hat die Verhaltensweise der Tiere zu verstehen und auch zu interpretieren, sich die Zeit nimmt die man benötigt sind dies sicherlich die besten Voraussetzungen den perfekten Tiermoment zu erleben. Dabei steht das Wohl des Tieres im Vordergrund, d.h. wir verzichten auch lieber einmal auf ein einmaliges Foto, bevor wir damit Schaden anrichten oder die Tiere beunruhigen.

Wer ist ihr Vorbild für Naturtierfotografie? Wir haben im Laufe der Zeit mit unserer Tätigkeit nur etwa eine Hand voll wirklich interessanter und bemerkenswerter Persönlichkeiten kennen gelernt. Diese haben uns nicht nur technisch entsprechend beeinflusst sondern hauptsächlich in unserer grundlegenden Einstellung und unserem Engagement.

Was fasziniert Sie an der Natur? Ehrlich gesagt einfach nur alles. Es ist unbeschreiblich was man in der freien Natur alles lernen und erleben kann.

 

Durch was verdienen Sie als Tierfotograf Geld oder ist es Hobby? Es begann als Hobby. Mittlerweile veröffentlichen wir regelmäßig unsere Bilder in verschiedensten Medien und versuchen das leider meist völlig zu Unrecht negative Image der Biber in der Öffentlichkeit mit einmaligen Vorträgen zurecht zu rücken. Nur wenige Personen können von der Naturfotografie in Deutschland wirklich leben.

Wenn wir in die Zukunft schauen wie sehen Sie den Zustand der Natur in 30Jahren bei uns in Deutschland? Wir engagieren uns sehr vielfältig, wir kartieren Vögel und Fledermäuse, pflegen und ziehen verletzte Fledermäuse auf und wildern diese wieder aus, halten viele Vorträge und verbringen unsere Zeit meist in der freien Natur. Jedoch stehen die Zeichen wirklich nicht zum besten. Leider machen wir täglich die Erfahrung dass hier im Süden der Natur- und Artenschutz das Papier nicht wert ist auf dem er geschrieben steht, darüber könnten wir schon ganze Bücher schreiben. Umwelt Straftatbestände werden von Ämtern oder Behörden gar nicht erst verfolgt oder dann letztlich eingestellt und sogar bei unserem ehrenamtlichen Engagement in Sachen Fledermäuse werden uns massive Probleme von Amtsseite bereitet. Naturschutz ist nur gewünscht und wird medienwirksam propagiert, solange dieser nichts kostet, niemanden einschränkt und dieser nicht die Interessen von einschlägigen Gruppierungen wie z.B. Industrie, Land-, Forst- Jagd- und Fischwirtschaft verletzt. Unterm Strich nimmt die Artenvielfalt und die Populationsdichte leider immer mehr ab egal worum es sich handelt und es werden keine wirksamen Maßnahmen ergriffen die Geschwindigkeit mit der das passiert zu verlangsamen, geschweige denn den Trend umzukehren. Pro Dekade erhöht sich die Anzahl der vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten der roten Liste seit Jahrzehnten konstant um 10%. Daher wird es wohl leider mit dem Artenschwund, bis auf ein paar ganz wenige Ausnahmen so weitergehen.

 

Danke an Tina und Christian Kutschenreiter fürs Interview. Mehr zu ihm unter http://www.christian-kutschenreiter.de und http://www.biber-info.de .

Teile auch dein Tiermoment und kontaktiere mich – alle Details unter http://tiermoment.de/bewerbe-dich/.